Vitra, Schaudepot

Die Ausstellung über das Radical Design hatte einen sehr unterhaltenden Effekt aber auch gegen die Vorstellungen der unkonventionellen und transdisziplinären, untopischen Gestaltungsideen des Radical Designs war das Austellungskonzept an sich im selben konventionellen Rhamen  wie die Regalaufreihung der Vitramöbel im Schaudepot. Zusammen mit der Designforscherin Mela Kocher wurde dieses in der Masterklasse besucht.

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Die Aufreihung der einzelnen Objekte war funktionalistisch und in die Aussparung im Raum zwischen die Ausstellungsregale gepresst. Jedoch wurde dadurch, dass die Radical-Design-Objekte in unmittelbarer Nähe zu den kommerziell hergestellten Möbelstücken standen, der Gedanke noch klarer, dass Design in dieser Bewegung nicht nur als Dienstleistung und im kommerziellen Kontext zu verstehen ist. Auch gab die Auswahl an verschiedenartigen Objekten einen spannenden Einblick ins Radical-Design. Der Quaderma- „Tisch“ von Superstudio NR.2600 war  in der Ausstellung auf die Tischbeine gestellt, im Präsentationsvideo von 1969 wurde dieser jedoch auf der Oberfläche liegend präsentiert. Im utopischen Konzept vom Quaderma geht es darum alte Struckturen und Bilder zu zersetzen und eine neue Umgebung zu schaffen. Die rote impulsante Form von la Mamma (Geatano Pesce, 1969) mit ihrer weiblichen Gestalt, ausladendnen Brüsten und weitem Schoß bot einen schönen Kontrast zum Cactus von Guido Procco und Franco Mello. Dass gerade zwei von vier Exponaten aus Polyvrethanschaum hergestellt sind, La Mamma mit rotem Stoff, Cactus mit Latex überzogen , lässt darauf schließen , dass im Radical Design Neue Technologien und freier Ausdruck von Sexualität ein präsentes Thema waren.

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_mg_5189_mg_5190Bei diesem Stuhl gefiel mir sehr die Intension aus vielen Schichten im Querschnitt eine Form zu erzeugen. Die dynamische Form, die in sich als einzelen Schicht eine statische Fläche ist erzeugt eine Vorstellung von einem weichen federnden Stuhl, jedoch ist das Gesamtobjekt massiv. Hier trifft Massivität auf leichtes umweltfreundliches Material, denn der Sleigh-chair besteht aus recyclebarem Karton. Wenn man ältere Objekte vom Beginn der Ausstellung, die einige Zeit zurück liegen,reflektiert, spannt das für mich einen interessanten Rahmen. Eine der ersten Vorläufer der industriellen Fertigung wie zum Beispiel der Thonetstuhl, der durch ein energie- und zeitaufwendiges Hitzeverfahren in ebenfallss eine dynamische Form gebracht wurde steht einer komplett anderen und viel einfacheren Methode, um geschwungene Formen zu erzeugen, gegenüber. Dies hat für mich am deutlichsten den Perspektivwechsel zwischen den Jahrhunderten aufgezeigt, wie Designer mit einer Problemstellung umgehen und diese mithilfe von Materiel und Techniken umsetzen und inwiefern die Rolle oder die Art der Nachhaltigkeit sich verändert hat.

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